Muss die THG-Prämie versteuert werden? THG Quote versteuern: Das ist zu beachten

Mit der Treibhausgasminderungsquote müssen sich Mineralölunternehmen am Klimaschutz beteiligen und Emissionen reduzieren. Alternativ lassen sich produzierte Werte durch den Kauf von Quoten-Zertifikaten ausgleichen. Seit 2022 können davon auch private E-Auto-Besitzer profitieren und sich eine THG-Prämie sichern. Wir erklären, ob die THG-Prämie steuerpflichtig ist und welche Faktoren relevant sind.

Muss die jährliche THG-Prämie versteuert werden? Wir geben Antworten

Das ist bei der THG-Quote Steuer wichtig

  • THG-Prämie: Seit Anfang 2022 können sich auch private E-Auto-Besitzer am THG-Quotenhandel beteiligen und sich dank ihres elektrischen Fahrzeugs eine THG-Prämie sichern. Diese liegt zwischen 200 und 400 Euro.
  • Anbieter: Bei verschiedenen Online-Plattformen können sich Nutzer ganz einfach für die THG-Prämie registrieren. Sie übernehmen die Rolle des Vermittlers, sammeln viele Zertifikate und bieten sie am Quotenmarkt gebündelt an. Ein Teil vom Erlös wird dann als THG-Prämie ausgezahlt.
  • Steuer: Die THG-Prämie ist für Privatpersonen steuerfrei. Sie unterliegt keiner Freigrenze von 255 Euro, wie zu Beginn 2022 häufig steuerlich eingeschätzt. (Stand: 05/2022)

Ist die THG-Prämie steuerpflichtig?

Nein, die THG-Prämie ist steuerfrei. Anders als zuvor von vielen Experten eingeschätzt, zählt sie nicht zu „Einkünften aus sonstigen Leistungen“. Damit unterliegt sie keiner Freigrenze von 255 Euro, sondern ist komplett steuerfrei.

Denn die THG-Prämie ist ein immaterielles Wirtschaftsgut, das Nutzer unentgeltlich erhalten, weshalb sie nicht als Leistung eingestuft werden kann und auch nicht der Einkommenssteuer unterliegt.

Muss die THG-Prämie versteuert werden?

Die THG-Prämie ist für Privatpersonen steuerfrei. Begründet wird dies in der Kurzinformation des Landesamts für Steuern von Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen S 2240/S 2256/S 2257 A - St 32 1, St 32 3, St 31 5). Hier heißt es „[n]ach bundeseinheitlich abgestimmter Verwaltungsauffassung“, dass die THG-Quote „ein handelbares (immaterielles) Wirtschaftsgut i. S. d. § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG.“ ist. Die Veräußerung in Form der THG-Prämie gelte nicht als Leistung.

Die ausführliche Erklärung, warum die THG-Prämie steuerfrei ist, lautet dort wie folgt:

„Unter einer Anschaffung ist der entgeltliche Erwerb eines Wirtschaftsguts von einem Dritten zu verstehen. Die THG-Quote erwirbt der private Fahrzeughalter jedoch nicht entgeltlich. Sie entsteht durch die eingesparten THG-Emissionen der geschätzten Strommenge sowie dem Nachweis der Zulassungsbescheinigung jährlich neu.

Auf die Anschaffung des jeweiligen Elektrofahrzeugs kann deswegen nicht abgestellt werden. Mangels „Anschaffung“ unterliegt die THG-Quote nicht der Besteuerung als privates Veräußerungsgeschäft. Die Prämienzahlung im Privatvermögen unterliegt daher als nicht steuerbare Leistung nicht der Einkommensteuer.“

Hinweis: Zuvor galt für die THG-Prämie bei Privatpersonen, wie für sonstige Prämien auch, die Einschätzung als „Einkünfte aus sonstigen Leistungen“ (§ 22 Nr. 3 EStG). Dabei besteht eine Freigrenze von maximal 255 Euro, für die keine Steuer anfällt.

Relevant ist in dieser steuerlichen Kategorie, dass es sich um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag handelt. Übersteigen Prämien die 255 Euro, sind sie voll steuerpflichtig und nicht erst ein Betrag über dieser Grenze.

Auf diese vorige Einstufung der THG-Prämie nahmen auch zahlreiche Anbieter Bezug. Neben einer Maximalauszahlung der Quote boten diese alternativ auch eine steueroptimierte Option an, die 255 Euro nicht überstieg.

Achtung: Für gewerblich genutzte Fahrzeuge gilt die Steuerfreiheit der THG-Prämie nicht. In diesem Fall wird die THG-Prämie als unternehmerische Tätigkeit i. S. d. § 2 Abs. 1 UStG eingestuft und zählt zu Betriebseinnahmen, die steuerpflichtig sind.

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Was tun, wenn Nutzer sich bereits für steueroptimierte Auszahlung entschieden haben?

Die Auszahlung der THG-Prämie konnte für Privatpersonen bereits seit Januar 2022 beantragt werden. Einige THG-Anbieter haben die damalige steuerliche Einschätzung als „Einkünfte aus sonstigen Leistungen“ berücksichtigt und eine steueroptimierte Option angeboten.

Viele Interessierte entschieden sich daher für diese Alternative, statt die Höchstauszahlung zu nutzen. Schließlich bestand durch die Kategorisierung in die Freigrenze die Möglichkeit, dass ein höherer Betrag durch die Versteuerung ggf. unter die garantierten, steueroptimierten 255 Euro sinken konnte.

Das Problem: Das offizielle Statement und die Einstufung der THG-Prämie als steuerfreie Einkunft durch das Landesamt für Steuern Rheinland-Pfalz ist auf Ende März 2022 datiert und liegt erst seit Mai 2022 zahlreichen Stellen vor.

Das sorgt für Ärger bei vielen Personen, die sich seit Beginn des Jahres 2022 bereits für die vermeintlich sichere steueroptimierte Variante entschieden. Unter jetzigen Bedingungen erhielten bzw. erhalten sie eine niedrigere Auszahlung. Sie machen nun Verluste, statt von einer möglichst großen THG-Auszahlung nach aktuellem Stand zu profitieren.

Sachlage: Derzeit haben noch nicht viele Anbieter auf die steuerliche Neueinschätzung der THG-Prämie reagiert. Wir gehen jedoch davon aus, dass Nutzern die Möglichkeit gegeben wird, die zuvor ausgewählte steueroptimierte Auszahlung auf den Maximalbetrag der Prämie des Anbieters zu erhöhen und dass es ggf. Nachzahlungen gibt.

Unser Tipp: Gehen Sie ins direkte Gespräch mit dem THG-Anbieter, um eine Klärung zu erreichen. Wir gehen zudem davon aus, dass sich Anbieter, die eine steueroptimierte Prämien-Ausschüttung als Option boten, sich auf ihren jeweiligen Webseiten zur Lage äußern werden. (Stand: 05/2022)

Einige Anbieter gehen bereits jetzt auf die neue steuerliche Bewertung ein und geben Kunden die Möglichkeit entweder nicht ausgezahlte Geldbeträge nachgezahlt zu bekommen oder die fehlende Differenz für einen guten Zweck zu spenden.

Disclaimer – THG-Prämie und steuerliche Faktoren

Wir können und dürfen keine steuerliche Beratung geben (Stand: 02/2022).

Interessierte sollten sich in ihrem individuellen Fall in Sachen THG-Prämie an ihren Steuerberater wenden und um Informationen bitten, inwiefern sich eine mögliche Auszahlung der THG-Prämie bei ihrer persönlichen Steuer auswirkt.

Melanie Baumann

Melanie Baumann gehört als Kind der 90er zum festen Bestandteil der Second-Screen-Gesellschaft. Aufgewachsen mit Handys, bei denen die Internetnutzung noch nicht zum Standard gehörte, ist sie heute begeistert von der überall verfügbaren Onlinewelt.

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